Moor-Informationssystem für den Landkreis Emsland (EL-MIS)

 

Modellhafter Aufbau eines Moorkatasters und Erstellung eines Datenbank- und GIS-basierten Moor-Informationssystems als umfassende Basis für die Abschätzung des Revitalisierungspotenzials

 

Neben ihrer besonderen Funktion als Lebensraum seltener und hochspezialisierter Tier- und Pflanzenarten, haben die aktuelle Klimaschutzpolitik und das gestiegene Umweltbewusstsein dazu beigetragen, dass die Bedeutung von Mooren als Kohlenstoffspeicher in den letzten Jahren stärker in die öffentliche Wahrnehmung gerückt ist. Durch die Betrachtung der Speicherfunktion fallen nun auch Flächen in den Fokus des Klimaschutzes, deren Oberfläche anthropogen z.B. durch landwirtschaftliche Nutzung überprägt wurde, sofern der darunterliegende Torfkörper nicht zerstört wurde.


Sollen konkrete Maßnahmenplanungen zur Torfkonservierung und Moorrenaturierung erfolgen, sind verlässliche, flächenscharfe und aktuelle Informationen zu Vorkommen und Zustand der Moore bzw. Torfkörper unabdingbare Grundlage. Die verfügbaren bodenkundlichen Übersichtskarten sind aufgrund ihres Maßstabes mit Unsicherheiten behaftet und liefern nicht die benötigten Detailinformationen. Die für landwirtschaftlich genutzte Flächen flurstücksgenau erhobenen Informationen aus der Bodenschätzung sind hingegen oftmals veraltet. Die im Rahmen der Moorinventur zwischen den 1950er und 1970er Jahren erhobene Datengrundlage ist ebenfalls veraltet und stellt lediglich den historischen Zustand dar.


Um hier Abhilfe zu schaffen, hat der Landkreis Emsland im Rahmen der „Europäischer Fond für regionale Entwicklung (EFRE)“-Förderrichtlinie „Klimaschutz durch Moorentwicklung“ ein Projekt zur Erstellung eines Moorkatasters (EL-MIS) initiiert. Im Zuge des Projektes werden die organischen Böden im Landkreis Emsland in ihrer räumlichen Ausdehnung, ihrer Torfmächtigkeit und auf ihren Zustand hin flächendeckend kartiert.
In Verbindung mit einer Kartierung der Biotoptypen werden über die Verknüpfung mit Emissionsfaktoren die aktuellen Treibhausgas-Emissionen ermittelt. Zugleich ergibt sich über diese Faktoren für jede Fläche das klimaschutzfachliche Entwicklungspotential, welches sich mit einer teilweisen oder vollständigen Wiedervernässung der Fläche erreichen ließe. Darüber hinaus erfolgt für die abgegrenzten Moore und Torfkörper über die Biotoptypkartierung eine Einschätzung des naturschutzfachlichen Entwicklungspotentials der Fläche. Die im Rahmen des Projektes generierten Daten sollen abschließend in einem Moor-Informationssystem zusammengestellt werden und so als Planungsgrundlage für zukünftige Projekte des Moorschutzes zur Verfügung stehen.

 

Die beschriebene Kartierung der Moore ist bislang einzigartig, sodass dem Projekt der Status eines Pilotprojektes mit Modellcharakter zukommt. Die gewonnenen Erkenntnisse des Projektes sollen in Form eines Handlungsleitfadens zusammengestellt werden, der anderen moorreichen Landkreisen als Orientierung bei ähnlichen Projekten dienen soll.